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Unsere Rasse

 

Rasse des Monats Januar 2012 der Geflügelzeitung!

Eleganz pur: Orientalische Roller

Der Orientalische Roller ist eine allseits bekannte Rasse, die sich in Deutschland auch großer Beliebtheit erfreut. Die Rasse ist heute als sehr figurorientierte Tümmlerrasse anzusprechen, bei der es aber auch auf farbliche Reinheit ankommt um zu höheren Ehren zu gelangen.

Gleich wenn die Wurzeln des Orientalischen Rollers zweifelsfrei nicht in Deutschland liegen, waren  es doch vor allem deutsche Züchter, welche die Rasse zu dem Typ Taube gemacht haben, an den wir uns gewöhnt haben. Das „Orientalisch“ ist also nur noch als Hinweise auf den eigentlichen Ursprung der Rasse zu sehen.

 
Orientalischer Roller in schwarzsprenkel wirken sehr apart.
Foto: Hellmann
 
Interessanterweise gibt es im südosteuropäischen Raum eine recht breite Varianz von Rassen im „Rollertyp“, die erst in den letzten Jahren standardisiert wurden und nach und nach auch Eingang in das europäische Rassenverzeichnis gefunden haben oder demnächst finden werden. Mindestens ebenso interessant jedoch ist es zu vermerken, dass im angeblichen kleinasiatischen Ursprungsraum unseres heutigen Orientalischen Rollers nur geringe Spuren verwandter Rassen zu finden sind. Eine Rasse, welche vielleicht näherer Betrachtung Wert wäre, ist der Thrakische Roller, der aus der Gegend der türkischen Städte Edirne, Tekirdag und Kirklareli stammt – hängeflüglig mit leicht angehobenem Schwanz aber im Unterschied zum Orientalischen Roller entweder glattköpfig oder kappig.

Als die Orientalischen Roller vor rund 140 Jahren nach Europa kamen, standen in der Taubenzucht andere Prioritäten hoch im Kurs.  Das Ausstellungswesen als solches war erst im Entstehen begriffen und Tauben mussten vor allem eines: fliegen. Insofern wundert es auch nicht, dass der Orientalische Roller in der älteren Literatur als der Inbegriff des Luftakrobaten gilt. Die Tiere konnten während des Fluges nicht nur eine Vielzahl an verschiedenen Figuren zeigen, es wurde geradezu von ihnen erwartet. Der bekannte englische Taubenmaler Ludlow beschrieb die Rasse kurz nach deren Einfuhr in der Zeitschrift „The Fancier's Gazette“ als „sonderbar aussehenden Tümmler“. Vielleicht erwähnenswert, dass besonders die vielfarbigen Orientalischen Roller auf Interesse in England stießen, zeigen sie doch ein nahezu identisches Farbspiel wie die Almonds der Englischen Shortfaced Tümmler. Ich persönlich sähe es als angebracht, wenn zwischen „Almond“ und „Vielfarbig“ genauere Unterschiede gemacht würden in heutiger Zeit, obgleich die genetische Grundlagen mehr oder weniger identisch sind. In der letztendlichen Ausprägung des Farbspiels gibt es eine große Streubreite, bedingt durch die im Genotyp vorhandenen Modifikatoren einer Rasse.

 
 
Orientalischer Roller in dunfarbig - klar erkennbar die figürliche Eleganz der Rasse.
Foto: Hellmann
Doch zurück zum Orientalischen Roller. In Deutschland gründete sich der Sonderverein im Jahre 1914 und Peter Freisberg als Vorsitzender des „Bundes der Züchter und Liebhaber Orientalischer Roller“ leistete seinen Beitrag als Mitarbeiter in Richard Seligers Buch „Die Tümmler“, welches als dritter Teil des Mustertaubenbuches von Oswald Wittig erschienen ist. Peter Freisberg leistete eine Menge als Schreiber und Aktivist für die Rasse. Von Freisberg stammt auch die Aussage, dass viele der nach Europa ausgeführten Tiere aus der Hafenstadt Smyrna (heute: Izmir), kamen und vornehmlich in Zuchten von Griechen zu finden gewesen seien. Das ist nicht weiter erstaunlich, war die Hafenstadt doch vornehmlich griechisch dominiert und selbst während der Zeit des osmanischen Kaiserreiches mehrheitlich christlich. Die Lage als Hafenstadt am  Mittelmeer prädestinierte Smyrna als Zentrum des Austausches und des Handels – auch in der Historie der Orientalischen Mövchen spielt die Stadt eine bedeutende Rolle.
Nach dem 2. Weltkrieg und der Normalisierung der Lebensumstände setzte auch eine Entwicklung bei den Orientalischen Rollern ein. Volierenhaltung trat an die Stelle von Freiflug und die Verfeinerung der Tiere zu einem Ausstellungstyps verlangte ihren Tribut. So kam es langsam aber beständig zu einer Auseinanderentwicklung des Ausstellungs- und des Flugtyps der Rasse. Eine ähnliche Entwicklung hat es ja auch bei anderen Rassen zu beobachten gegeben, als Analogie hierzu kann z.B. der Wiener Tümmler und der Wiener Hochflieger dienen.

 
Weißschwingige Orientalische Roller suchen Unterstützung.
Foto: Hellmann
 
So kam es zu einer Verfeinerung des Typs des Orientalischen Rollers zu dem Typ Taube, den wir heute gewöhnlich in unseren Ausstellungen sehen: eine mittelgroße, elegante Tümmlerrasse mit angehobenem Schwanz, darunter getragenen  Schwingen und einer durchaus grazilen Ausstrahlung. Ein typischer Orientalischer Roller strahlt ganz einfach Harmonie aus und es ist wohl gerade die Harmonie des Ganzen, welche immer wieder Züchter für die Rasse begeistert.

Natürlich ist die Rasse auch durch ihre Vielzahl an Farbenschlägen durchaus von Interesse. Durch die Popularität der Rasse werden schon an die einfarbigen Tiere hohe Ansprüche gestellt – ein matter Farbton hat bei den Lackfarben keine Chance auf höhere Preise. Obgleich die einfarbigen Schläge sich einiger Beliebtheit erfreuen, ist die Herausforderung bei den Vielfarbigen und den ihnen verwandten Sprenkeln ungleich größer. Gerade in der Zucht der Vielfarbigen ist Geduld und auch das Quäntchen Fingerspitzengefühl vonnöten, da hier einige Faktoren verdeckt wirken und trotzdem das äußerliche Erscheinungsbild in Bezug auf Grundfarbe, Durchsetzung mit der Zeichnungsfarbe und auch Geschwindigkeit des Nachdunkelns in der Mauser beeinflussen. Sprach man früher bei den Sprenkeln auch von Rot- und Gelbsprenkeln ist man hier wegen einer anderen  genetischen Konstellation vor einigen Jahren auf Weiß-Rotgezeichnet bzw. Weiß-Gelbgezeichnet ausgewichen. Durch die Weiß-Blaugezeichneten wird diese Palette noch vervollständigt.

Doch auch die anerkannten Weißschläge des Orientalischen Rollers haben ihre Herausforderungen und werben um Züchter, die sich ihnen widmen. Es gibt also genug zu tun - wieso nicht auch für Sie?

06.01.2012Quelle: http://www.gefluegelzeitung.de/?redid=371554

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Der Orientalische Roller in seiner Geschichte

Schon lange vor der Gründung unseres Sondervereins im Jahr 1914, gab es diese wunderbare Taube und auch schon Liebhaber die sich Ihrer erfreuten. Wie der Name besagt, stammt die Taube aus dem Orient, genauer aus Kleinasien und den zentralasiatischen Ländern. Von dort kam Sie durch allmähliche Verbreitung auf dem Landwege über Griechenland, die Türkei, Rumänien, Österreich und Ungarn  nach Deutschland. Den Namen "Roller" hat Sie von der Art Ihrer Flugkunst, wie des näheren weiter unten beschrieben wird. Es ist eine langschnäblige Tümmlerart, die die Länge und Höhe des deutschen Bärtchentümmlers nicht ganz erreicht. Durch ihren gedrungenen Bau und der etwas lässigen Haltung wirkt sie massiger und plumper als der deutsche Bärtchentümmler. Demjenigen Taubenliebhaber, dem diese Rasse noch unbekannt ist, fällt an ihr zunächt der eigenartige Schwanz auf. Die Bürzeldrüse fehlt dieser Taube oder ist verkümmert; gewissermaßen als Ersatz dafür ist die Zahl der Schwanzfedern vermehrt und beträgt bei guten Exemplaren 14-16, ja sogar 17-18 große Federn. Der Rücken ist etwas muldenförmig gebaut und erscheint bei gehobener Schwanzhaltung etwas ausgehöhlt, die Brust ist breit und gedrungen, der Hals mittellang. Das Auge ist perlfarbig, mit möglichst kleiner Pupille. Der Augenrand ist blass bis fleischfarbig, jedoch nicht rot. Der Kopf ist glatt, länglich und  rund, mit mittelhoher, breiter, leicht gezogener Stirn. Auch der hellfleischfarbene Schnabel fällt einem ins Auge.

 

Bild aus der Mitte des 20. Jahrhunderts


Wie der Name besagt, besteht die Flugkunst der Tiere im Rollen, d. h. sie steigen zu großer Höhe auf und stürzen dann nach unten, indem Sie sich mit ausgebreiteten Flügeln und gestrecktem Körper um Ihre eigene Längsachse drehen. Sie werfen sich also nicht wie gewöhnliche Purzler nach hinten über, sondern seitwärts. Jedoch nur wenige Tiere sind Flugkünstler der eben geschilderten Art, die meisten ,,burzeln" nur, d.h. sie  werfen sich  nach hinten über, wie gewöhnliche Umschläger. Allerdings tun sie dies eifriger und anhaltender. Die Freude der Tiere am Luftturnen ist so groß, dass sie sogar in niedrigen Schlägen versuchen, beim Auffliegen ein Rad in der Luft zu schlagen.

 

Erklärung der abgebildeten Flugfiguren

 

  1. Schwebende Taube

  2. Bei kräftigen Flügelschlägen sprungweise aufsteigende Taube

  3. Mit beinahe über dem Rücken zusammengelegten Flügeln sich senkend

  4. Aufstellende Taube

  5. Purzelnde Taube

  6. Rollende Taube (Seitwärtsrollen)

  7. Kreiselnde Taube (Mühledrehen)

  8. Nach Rollen und Purzeln durch energische Flügelstöße steil aufwärts steigend

  9. Nach blitzschneller Kehrtwendung in entgegen gesetzter Richtung weiterfliegend (von oben gesehen)

 

Der Orientalische Roller ist eine gut züchtende Taubenrasse. Allerdings bleiben auch Rückschläge in der Art, dass man von hochrassigen Zuchttieren Junge erhält, die nach Farbe, Schnabel oder Schwanzbildung als minderwertig bezeichnet werden nicht aus. Doch dies kommt auch bei anderen Rassetauben und bei den feinsten Zuchttieren vor. Der verständige Züchter setzt deshalb die Zuchtpaare nicht bloß nach Ihrer äußeren Beschaffenheit, sondern auch nach der Abstammung zusammen.